Berlin – Die Debatte um die außenpolitische Ausrichtung der Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Höhepunkt erreicht. In einer scharfen Attacke gegen die aktuelle Bundesregierung hat die AfD-Vorsitzende Alice Weidel erneut vor einer „blinden Gefolgschaft“ gegenüber den Vereinigten Staaten gewarnt. Im Zentrum ihrer Kritik stehen die zunehmende militärische Abhängigkeit, die Energiepolitik und das, was sie als den „Ausverkauf deutscher Interessen“ bezeichnet. Die Forderung ist eindeutig: Deutschland müsse seine Souveränität zurückgewinnen und sich aus der geopolitischen Umklammerung der USA lösen.
Die Rückkehr der Raketen: Ein sicherheitspolitischer Sprengstoff
Der Stein des Anstoßes ist nach wie vor die Entscheidung, ab dem Jahr 2026 US-amerikanische Langstreckenwaffen in Deutschland zu stationieren. Was von der Bundesregierung als notwendige Maßnahme zur Schließung einer „Fähigkeitslücke“ und zur Abschreckung gegenüber Russland verkauft wird, sieht Alice Weidel als einen fatalen Fehler an.
„Wir machen uns zur Zielscheibe“, warnte Weidel kürzlich in einer Stellungnahme, die in den sozialen Netzwerken und politischen Zirkeln für Aufsehen sorgte. Für die AfD-Chefin ist die Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern und den sich in Entwicklung befindlichen Hyperschallwaffen kein Sicherheitsgewinn, sondern eine Provokation, die das Eskalationsrisiko in Mitteleuropa unkalkulierbar erhöht.
Weidel zieht dabei historische Parallelen zum NATO-Doppelbeschluss der 1980er Jahre, sieht die heutige Situation jedoch als weitaus gefährlicher an. Anders als damals gebe es heute kaum diplomatische Kanäle, die eine Deeskalation ermöglichen würden. Indem Deutschland US-Waffen auf eigenem Boden zulasse, über die Berlin im Ernstfall keine Befehlsgewalt habe, degradiere sich das Land endgültig zum „Vasallen“ einer fremden Macht.
Souveränität in der Energiefrage: Das Ende der günstigen Energie?
Neben der militärischen Komponente zielt Weidels Kritik auf die wirtschaftlichen Verflechtungen. Seit der Kappung der russischen Gaslieferungen und der Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines bezieht Deutschland große Mengen an Flüssiggas (LNG) aus den USA. Weidel kritisiert diesen Umstand als eine „erzwungene Abhängigkeit“, die den Wirtschaftsstandort Deutschland massiv schädigt.
„Souveränität bedeutet auch, dass wir uns aussuchen können, von wem wir Energie kaufen“, argumentiert die Fraktionsvorsitzende. Die hohen Energiepreise, die durch den Import von teurem US-Fracking-Gas entstehen, sind laut Weidel einer der Haupttreiber für die Deindustrialisierung, die derzeit in Deutschland zu beobachten ist. Große Konzerne verlagern ihre Produktion zunehmend ins Ausland – oft in die USA, wo die Energiekosten nur einen Bruchteil betragen.
Für Weidel ist dies kein Zufall, sondern eine gezielte Strategie der US-Administration unter Donald Trump, um die europäische Konkurrenz zu schwächen. Sie fordert daher eine sofortige Neubewertung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen und eine Rückkehr zu einer pragmatischen Energiepolitik, die sich ausschließlich an den Kosten und der Versorgungssicherheit orientiert, nicht an ideologischen Vorgaben aus Washington.
„America First“ trifft auf deutsche Hilflosigkeit
Mit Blick auf die zweite Amtszeit von Donald Trump, der seit einem Jahr erneut im Weißen Haus regiert, sieht Weidel ihre Warnungen bestätigt. Trumps Politik des „America First“ zeigt deutliche Auswirkungen auf den globalen Handel. Strafzölle und protektionistische Maßnahmen treffen die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart.
Während die etablierten Parteien in Berlin versuchen, die Wogen diplomatisch zu glätten und die „Wertepartnerschaft“ beschwören, fordert Weidel einen härteren Kurs. Deutschland dürfe sich nicht länger als „Juniorpartner“ behandeln lassen, der brav die geopolitischen Vorgaben der USA umsetzt, während die eigene Wirtschaft vor die Hunde geht.
„Ein souveräner Staat lässt sich nicht vorschreiben, mit wem er Handel treibt“, so Weidel. Sie plädiert für eine multipolare Weltordnung, in der Deutschland eigenständige Beziehungen zu allen Machtzentren pflegt – zu den USA ebenso wie zu den BRICS-Staaten, China und auch wieder zu Russland. Nur so könne Deutschland seine Rolle als Mittelmacht in Europa wahrnehmen und seine eigenen Interessen wahren.
Kritik an der „Wertebasierten Außenpolitik“
Ein weiterer Dorn im Auge der AfD-Spitzenpolitikerin ist die sogenannte „wertebasierte Außenpolitik“, die von der Bundesregierung propagiert wird. Weidel bezeichnet dies als moralische Überheblichkeit, die in der Realität oft zu Doppelmoral führe. Während man gegenüber missliebigen Staaten den moralischen Zeigefinger erhebe, folge man den USA blind in militärische Abenteuer oder unterstütze deren Sanktionsregime, selbst wenn diese völkerrechtlich umstritten seien.
Die Forderung nach Souveränität ist für Weidel daher untrennbar mit einer Abkehr von dieser moralisierenden Haltung verbunden. Außenpolitik müsse Interessenpolitik sein. Wenn US-Interessen den deutschen Interessen zuwiderlaufen – etwa in der Frage der Ukraine-Unterstützung oder der Handelsbeziehungen zu China – dann müsse Berlin den Mut haben, „Nein“ zu sagen.
Die Reaktion der politischen Gegner
Die Aussagen Weidels stoßen bei den anderen im Bundestag vertretenen Parteien auf heftigen Widerspruch. Vertreter der Union und der Regierungsparteien werfen der AfD vor, den Schutzschirm der NATO mutwillig beschädigen zu wollen. Ohne die Sicherheitsgarantien der USA sei Deutschland in der aktuellen Weltlage schutzlos den Aggressionen autokratischer Regimes ausgeliefert.
Kritiker halten Weidel entgegen, dass ihre Definition von „Souveränität“ in Wahrheit eine Isolation Deutschlands bedeuten würde. Ein Austritt aus den westlichen Bündnisstrukturen oder auch nur eine deutliche Distanzierung würde Deutschland politisch und wirtschaftlich ins Abseits manövrieren. Zudem wird der AfD immer wieder eine inhaltliche Nähe zum Kreml vorgeworfen; ihre Kritik an den USA sei oft deckungsgleich mit der Propaganda aus Moskau.
Ein Blick in die Zukunft: Wahlkampf 2026?
Mit ihren Aussagen bringt sich Alice Weidel bereits für die kommenden politischen Auseinandersetzungen in Stellung. Das Thema „Frieden und Souveränität“ hat sich – besonders in Ostdeutschland – als starker Mobilisierungsfaktor erwiesen. Viele Bürger sehen die enge Bindung an die USA und die damit verbundene Involvierung in globale Konflikte zunehmend skeptisch.
Indem sie die Souveränitätskarte spielt, versucht Weidel, Wähler zu gewinnen, die sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fühlen und die Angst vor einer Ausweitung des Ukraine-Krieges haben. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich in den kommenden Landtagswahlen zeigen. Fest steht jedoch: Die Frage, wie viel amerikanischen Einfluss Deutschland zulassen will und kann, wird eines der bestimmenden Themen des Jahres 2026 bleiben.
Die Diskussion, die Weidel angestoßen hat, geht weit über Tagespolitik hinaus. Es geht um das Selbstverständnis der Bundesrepublik. Ist Deutschland ein fester, unlösbarer Bestandteil des transatlantischen Westens, oder sollte es eine eigenständigere Brückenfunktion zwischen Ost und West einnehmen? Für Alice Weidel ist die Antwort klar: Ohne echte Souveränität gibt es keine Sicherheit.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was genau kritisiert Alice Weidel am US-Einfluss? Alice Weidel kritisiert vor allem die militärische Abhängigkeit durch die Stationierung von US-Raketen, die wirtschaftlichen Nachteile durch hohe Energiepreise (LNG) und US-Strafzölle sowie die politische Unterordnung unter US-Interessen, die sie als Verlust der deutschen Souveränität wertet.
Warum ist die Stationierung von US-Raketen umstritten? Befürworter sehen darin eine notwendige Abschreckung gegen russische Aggressionen. Kritiker wie Weidel argumentieren, dass die Waffen Deutschland zum primären Angriffsziel machen, ohne dass die Bundesregierung Kontrolle über den Einsatz dieser Waffen hat.
Was versteht die AfD unter „Souveränität“? Für die AfD bedeutet Souveränität in diesem Kontext eine eigenständige Außen- und Sicherheitspolitik, die sich primär an nationalen Interessen orientiert, eine Loslösung von „US-Hegemonie“ und eine Offenheit für eine multipolare Weltordnung (Beziehungen zu BRICS, Russland etc.).
Wie reagieren andere Parteien auf Weidels Aussagen? Andere Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP) weisen die Kritik zurück und betonen, dass die Sicherheit Deutschlands untrennbar mit der NATO und der Partnerschaft zu den USA verbunden ist. Sie werfen der AfD oft vor, russische Propaganda zu verbreiten.
Welche wirtschaftlichen Folgen befürchtet Weidel? Sie warnt vor einer Deindustrialisierung Deutschlands durch zu hohe Energiekosten (als Folge der Abkehr von russischem Gas hin zu US-LNG) und durch den amerikanischen Protektionismus unter der „America First“-Doktrin.